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Dienstag, 28. Januar 2014

Grüne Verwirrung

Tja, liebe Leute, so kann es gehen und das kommt dabei raus, wenn nicht richtig recherchiert wird.

Da bekomme ich doch über mein italienisches Netzwerk bei Facebook einen Artikel zugespielt, dessen Titel vielversprechend klingt und mir wird gratuliert, dass ich das Glück habe, in einer solch umweltfreundlichen Stadt zu wohnen:


Amburgo: addio alle auto entro 20 anni. Sarà la prima città car-free d'Europa



Was dann soviel heißt, als dass Hamburg innerhalb der nächsten 20 Jahre die erste autofreie Stadt in Europa sein wird. Hui, dachte ich mir, warum eigentlich nicht? Zumindest im Innenstadtbereich ist ein Auto (für mich) ja eher hinderlich; denn wenn ich ich die Stadt, in die HafenCity oder zum Hafen will, dann nehme ich sowieso die U-Bahn und anschließend auch mal ein StadtRad

  


In dem Artikel heißt es dann weiter:
Grazie al progetto Green Network, ad Amburgo nasceranno percorsi pedonali e piste ciclabiliper permettere a tutti i cittadini di avere a disposizione vie di comunicazione sicure che colleghino i diversi punti di interesse della città, con particolare riferimento alle aree verdi, di cui è molto ricca.

Das hört sich dann ja schon etwas anders an und so habe ich mir das Projekt "Green Network" auch mal genauer angesehen. 

Mit "Green Network" ist das Grünes Netz Hamburg gemeint, das Landschaftsprogramm der Stadt Hamburg, das als Ziel hat, Hamburg durch ein grünes Netz zu verbinden, so dass man ungestört vom Straßenverkehr im Grünen von der Stadt bis zum Stadtrand kommt. Das Grüne Netz wird dann so aussehen, dass Hamburg aus Grünen Ringen besteht, die den Stadtbereich umrunden und von denen dann jeweils Landschaftsachsen ins Randgebiet führen. 

Nachdem ich den italienischen Artikel gelesen und einen ersten Blick auf die Informationen bei hamburg.de geworfen hatte, habe ich die zuständige Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt kontaktiert, die mir dann auch prompt bestätigt hat, dass es sich mit der Bezeichnung der autofreien Stadt Hamburg um eine Falschmeldung handelt und mir die Genehmigung erteilt hat, Karten aus diesem Projekt abzubilden und zu verlinken. Vielen Dank an dieser Stelle für diese unkomplizierte Kommunikation.

Der Ursprung dieser Falschmeldung liegt offensichtlich beim Guardian, dessen Artikel dann die Runde gemacht hat, so dass sich die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt veranlasst sah, eine korrigierende Pressemitteilung zu veröffentlichen, in der es u.a. heißt: 


Richtig ist, dass Hamburg ein grünes Netz für die Hansestadt plant. Das Grüne Netz ist ein freiraumplanerisches Konzept für Hamburg, das attraktive Erholungsräume und Parkanlagen in Hamburg über ein fahrrad- und fußgängerfreundliches Wegenetz miteinander verbindet. Dieses Konzept sieht vor, dass die Hamburger Bürgerinnen und Bürger in der Entwicklung bis 2034 ihre Stadt mit dem Fahrrad oder zu Fuß besser erleben können.

Und was ist nun damit gemeint? Eigentlich ganz einfach und einleuchtend. Hamburg ist ja eh schon eine der grünsten Städte (was die Bepflanzung angeht) und genau das ist es ja auch, was Hamburg so einzigartig macht. Es gibt kaum Ecken, an denen nicht irgendwelche Bäume, Sträucher, Grünanlagen sind. Diese werden - so verstehe ich es - fingerartig vom Stadtrand ins Stadtgebiet durchgezogen, so dass sich dieses Bild hier ergibt:


Bildrechte und Quelle: Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt

Diese Landschaftsachsen verbinden die Grüne Ringe. Das folgende Beispiel des 1. und 2. Grünen Ringes veranschaulicht es ganz toll


Bildquelle und -rechte: Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt

und die Erklärung hierzu lautet gemäß der Projektseite der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt:


Der 1. Grüne Ring verläuft am Rande der Innenstadt auf dem ehemaligen Wallring in etwa 1 km Entfernung um das Rathaus. Der Elbpark, die Wallanlagen, Planten un Blomen und die Grünflächen bis zu den Lombardsbrücken bilden den westlichen, schon grünen Teil des Ringes. Begrünte Straßen und Plätze von der "Kunstinsel" über die Deichtorhallen und die Hafencity bis zu den Landungsbrücken sollen den Ring zukünftig nach Osten ergänzen.
Im Norden und Süden verläuft der 2. Grüne Ring am Rande der dicht besiedelten Stadt über große Parks und Grünflächen, breitere Grünzüge und schmalere Grünverbindungen. Der 2. Grüne Ring beginnt am Jenischpark und verläuft über den Altonaer Volkspark, das Niendorfer Gehege, Friedhof Ohlsdorf, Trabrennbahn Farmsen, Öjendorfer Park, Boberger Niederung, Wasserpark Dove-Elbe, Neuländer See, Harburger Stadtpark, Meyers Park bis zum Rüschpark. Die Verknüpfung der großen Grünflächen zu einem durchgehenden Grünen Ring bedarf in einigen Bereichen noch der Ergänzung.
Ich weiß ja nicht, was Ihr davon haltet, aber ich finde das Projekt unglaublich charmant. Schon heute habe ich die Möglichkeit, aus Rahlstedt mit dem Fahrrad fast nur durch Grünanlagen bis in die Innenstadt zu radeln. Zukünftig soll das also aus allen Stadtteilen möglich sein, ohne auch nur mit dem Autoverkehr in Berührung zu kommen. Hamburg wird damit zwar nicht autofrei, aber Autos werden zunehmend im Stadtverkehr überflüssig und ich schätze mal, dass die Car-Sharing Angebote zunehmen und vermehrt nachgefragt werden. Also ein wunderbarer Beitrag für die Umwelt.

Details zu dem Grünen Netz sind wunderbar bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt zu finden und ich finde speziell die Planungen des Wallrings - Ihr werdet Euch sicherlich an meinen Beitrag über die Großen Wallanlagen im Rahmen meines Blogs über Hamburgs Brücken erinnern - und hier die Ausdehnung zur HafenCity spannend und ich könnte mich in den verlinkten Karten und Planungsdetails verlieren. Lest Euch da mal ein - die Grundlagen für den 1. Grünen Ring sind durch den Wallring vorhanden und die Planungen hierfür stammen bereits aus dem Jahr 1839! Es ist unglaublich, wie weitsichtig der damalige Planer Altmann die grüne Stadt Hamburg geplant hat.

Am liebsten würde ich ja jede einzelne Karte der Wallringplanungen hier zeigen und zitieren - aber dann hätte die Projektseite ja keine Berechtigung mehr und das wollen wir ja auch nicht. Also, klickt mal rüber, Ihr werdet es nicht bereuen.





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