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Dienstag, 15. Oktober 2013

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Es gibt ein wunderbares Zitat von Mark Twain, das da lautet:
“Aufgrund meiner philologischen Studien bin ich überzeugt, dass ein begabter Mensch Englisch (außer Schreibung und Aussprache) in dreißig Stunden, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren lernen kann. Es liegt daher auf der Hand, dass die letztgenannte Sprache zurechtgestutzt und repariert werden sollte. Falls sie so bleibt wie sie ist, sollte sie sanft und ehrerbietig zu den toten Sprachen gestellt werden, denn nur die Toten haben genügend Zeit, sie zu lernen.” (Quelle: linguista)
Dem kann ich nur beipflichten. Oder zumindest ansatzweise; denn ich mag Sprachen sehr, sehr gern; Englisch allerdings war von der ersten Schulstunde an nicht so mein Ding. Ich finde es kompliziert, auch wenn allgemein gesagt wird, Englisch sei einfach. Zu lernen ja, sich darin auszudrücken auch (halbwegs), aber die Grammatik ... naja, ist halt nicht so meine Sache.

Deutsch hingegen ist meine Muttersprache. Und darüber bin ich froh. Froh, dass ich Deutsch als Fremdsprache nie lernen musste. Es gibt für mich schon genügend unlogische Dinge in der deutschen Sprache, die nehme ich aber so hin, weil "das ist halt so". Aber wie bitteschön soll man einem Deutsch lernenden Menschen beibringen, warum "Vase" als W, "Vater" hingegen mit hartem V ausgesprochen wird? Beide Male folgt der gleiche Vokal und danach ein Konsonant.

Vermutlich aber hat dies seinen Ursprung irgendwann vor ferner Liefen. Und so habe ich heute einen Klicktipp für Euch:


Klickt Euch da mal rein. Neben dem genannten Zitat von Mark Twain finden sich auch weitere höchst interessante Fakten wie zum Beispiel das älteste erhaltene Buch in deutscher Sprache 

oder dass man im Mittelalter so geschrieben hat, wie man spricht (macht man doch heute auch noch bzw. wieder, oder?)

Diese Chronik ist höchst informativ aufgebaut und angereichert mit Fotos oder auch wie im Falle des Gebrauchs des deutschen Wortes "Weltschmerz" in der englischen Sprache durch ein Video aus "Big Bang Theorie", in dem Sheldon erklärt, was es damit auf sich hat (wer auch immer dieser Sheldon ist). Unter anderem erfährt man auch, welches das längste Wort in der deutschen Sprache ist. Nicht erwähnt (bewusst nicht??) wird die Neue Deutsche Rechtschreibung nach der Rechtschreibreform. Aber das wird sicherlich seinen Grund haben. Vielleicht glauben die Macher nicht an die Nachhaltigkeit dieser Reform? Ich weiß es nicht.

Apropos Macher: hinter der Chronik der deutschen Sprache im Zeitstrahl steckt die schweizerische Agentur Linguista, die Sprachreisen rund um den Globus organisiert. Sie kennen sich also sicherlich mit Sprachen aus.  

Aber zurück zu mir und meinem Faible für Sprachen. Oder, um bei der deutschen Sprache zu bleiben, meiner Vorliebe für Sprachen. Ich habe das große Glück gehabt, in der 7. Klasse damals (in der 5. Klasse begann der Englischunterricht) Französisch zu lernen. Vom ersten Tag an hat es da bei mir "Klick" gemacht. Die Sprache gefällt mir einfach. Sie hat klare Regeln (ohne Ausnahme keine Regel :-) ) und zumindest für meine Gehirnwindungen logisch und gut zu lernen. Und noch dazu hat sie eine wunderschöne Aussprache.

So wurde Französisch meine Lieblingssprache und es ging auch soweit, dass ich zweimal am Schüleraustausch teilgenommen habe, den wir in der Bretagne in Rennes verbrachten. Danach war Französisch erst recht "meine" Sprache und selbst das Erstellen komplizierter Referate (ich erinnere mich an eines über Atomkraft) war nicht ein sonderlich großes Hindernis. 

Französisch hat sich so bei mir eingeprägt, dass ich heute noch immer wieder mal plötzlich Lieder oder Melodien singe, die wir damals in der Schule gelernt hatten.

Nach der "normalen" Schulzeit habe ich noch die Fremdsprachenschule besucht und Spanisch kam hinzu. Vom Lernen her war es nicht sonderlich kompliziert, ähnelt es doch sehr dem Französischen. Nur diese fürchterliche Aussprache (in meinen Ohren). Nee, Spanisch war danach auch nicht mein Ding.


Dann kam mein großes Glück, was Sprachen betrifft: meine Schwester zog aus und sie entschied sich für Italien. Die Sprache des dolce vita, des Wohlklangs, des mit Händen und Füße Sprechens. Logisch, dass ich die Sprache auch lernen musste, oder? Also nichts wie hin zum Istituto Italiano di Cultura in der Hansastraße in Hamburg und fleißig habe ich gelernt. So schön, so einfach (Vorbildung Französisch und Spanisch hilft enorm). Und es machte so ein Spaß, in Italien reden zu können und ich nutze auch heute noch jede Gelegenheit, mal das eine oder andere Wort Italienisch zu sprechen oder zumindest zu schreiben. Wie in meinem Blogbericht über die Gesangsgruppe meiner Nichte oder ihren Gastbeitrag auf meinem Blog. 



Tja, und dann gibt es ja noch Esperanto. Eine wunderschöne Idee, eine Weltsprache zu kreieren, die jeder leicht lernen und sprechen kann, so dass sich alle Menschen auf der Welt verständigen können. Natürlich habe ich auch hier einen Kurs besucht und kann aus eigener Erfahrung sagen: einfacher geht es nicht! Schade, dass es sich nicht so wirklich durchgesetzt hat und mir mehr als der eine Satz "cu vi volas trinki kafon" nicht in Erinnerung geblieben ist. 


Eine Sprache aber möchte ich noch intensiver lernen: bislang habe ich erst einen Anfängerkurs gemacht. Auch das Lernen fiel mir nicht schwer, einzig und allein der Zeitmangel ist es, der mich hindert, die Sprache intensiver zu lernen. Ich rede von ... Portugiesisch! Portugiesisch hat nach dem halben Jahr des Lernens für mich das Zeug, meine Lieblingssprache zu werden. Geschriebenes Portugiesisch verstehe ich relativ gut, weil ich unheimlich viel aus Französisch ableiten kann. Es ist temperamentvoll, aber nicht so laut wie Italienisch, die Portugiesen sind ein mir unheimlich sympathisches Volk und die Aussprache scheint auf mich so zu sein, dass Versprecher nicht so wirklich wahrgenommen werden, weil es sich so schön nuschelig anhört. Und dann die Musik! Der Fado ... Das ist ein für meine Ohren das perfekte Gesamtpaket. Daher schlender ich auch sehr gern in Hamburg durchs Portugiesenviertel

Wie sieht's mit Euch aus? Seid Ihr auch Sprachen-Sprecher oder eher Zahlenmenschen? Oder gibt es gar beides in Einem vereint?







Kommentare:

  1. "Ich stolz, Deutscher zu bin!" - Boris Becker

    Ich denke aber, dass jede Sprache ihre Schwierigkeiten hat.
    Kannst dich ja mal an diesem englischen Text versuchen
    http://www.thepoke.co.uk/2011/12/23/english-pronunciation/
    Für Französisch oder Italienisch gibt es sicherlich ähnliche Texte

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    1. Sicher, Dirk, Schwierigkeiten gibt es überall. Bei mir wie gesagt vor allem im Englischen. Warum wird beispielsweise die "Worcester" Sauce als "Wuuster"-Sauce gesprochen? Aber klar, der Link ist gut und sicherlich gibt es in anderen Sprachen ähnliche Hemmnisse.

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  2. Das erinnert mich an 2 Semester Schwedisch.
    Da gibt es viele alte Worte die wir hier früher genutzt haben.
    Darum klingen einige Sätze so vertraut und doch unverständlich.

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    1. und schwupps, damit rutscht Schwedisch auf meine To-Do-Liste :-)

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  3. Ich habe mich mit vielen Fremdsprachen beschäftigt. Und je mehr ich dies tat, desto glücklicher war ich, eine Sprache zu beherrschen, die mein Heimatland ist. Inzwischen hasse ich es, eine fremde Sprache benutzen zu müssen, die ich nicht perfekt kann, weil ich nie und nimmer das darin ausdrücken kann, was ich auf Deutsch sagen würde. Und trotzdem würde ich mich in den nächstbesten Sprachkurs setzen, um in einer fremden Sprache wenigstens manierlich hallo sagen zu können. Auf die Schönheit einer Sprache käme es mir dabei nicht an. Polnisch zu lernen ist beispielsweise echt eine Herausforderung. Aber man kann sich seine Verwandschaft halt nicht aussuchen.

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    1. Oh, ja, das stimmt. Den Anspruch des Perfektionismus an eine Fremdsprache habe ich schon seit ganz, ganz langer Zeit nicht mehr. Mir reicht es, mich verständlich zu machen und dann gibt es ja noch Hände, Mimik, Gestik, die unterstützend wirken.
      Aber was ist schon perfekt? Selbst in der eigenen Sprache fehlen mir manchmal die Worte, wenn man etwas Besonderes beschreiben will. Eine Sprache perfekt zu beherrschen ist wohl nur ganz, ganz wenigen Menschen vorbehalten.

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  4. Liebe Sabine, da haben wir eine Gemeinsamkeit. Ich liebe Sprachen und habe das auch mit meinem Studium ein bissl gepuscht.
    Wie du ja weißt, bin ich in Brasilien geboren, mit 9 Jahren kam ich nach Deutschland. Auf dem Gymnasium lernte ich zuerst Französisch, später kam Spanisch dazu, was dann im Studium fortgesetzt wurde. Und Englisch ist sowieso ein MUSS im Studium, was ich in Schottland für ein Semester in der Praxis auch ausübern konnte. Wenn ich mit meinem Studium fertig bin, werde ich alles tun, damit mein Französisch besser wird und habe vor, eine weitere Sprache zu lernen. Welche weiß ich leider noch nicht.

    Zu "Deutsche Sprache, schwere Sprache" kann ich eines sagen: Es stimmt. Ich bin nun 21 Jahre in Deutschland und spreche diese Sprache nicht perfekt. Man sieht das oft in meinen Texten, aber auch so in der Alltagskommunikation. Diese Grammatik ist wirklich nicht einfach.

    Wenn du Hilfe in Portugiesisch brauchst, sag Bescheid! :-) Mein P ist zwar ein bissl eingerostet, aber da! :D

    Toller Beitrag! :-) LG

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    1. Danke, lieber Victor. Mal sehen, wann ich mit Portugiesisch wieder starten kann - und dann würde es mich nicht wundern, wenn ich das eine oder andere Mal dich antickere

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  5. Na dann versuch´s mal mit chinesisch oder arabisch. Diese Sprachen zu lernen finde ich viel schwerer

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    1. Tja, so ist alles relativ. Schwieriger zu lernen als Deutsch als Fremdsprache? Sicher gibt es bestimmt eine Vielzahl komplizierter und schwierig zu lernende Sprachen, keine Frage

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  6. Liebe Sabine,

    um dieses Talent beneide ich Dich von Herzen. Mit Englisch habe ich mich bis zum Abitur herumgeschlagen mit gequälten 3en und 4en. Mein Kleines Latinum nach der 10. Klasse habe ich nur bekommen, weil ich danach Latein abgewählt habe (Lehrer: "Wähl es ab, dann bekommst Du eine 4 und hast das Kleine Latinum. Wenn Du weiter machst, und ich gebe den Kurs auch im nächsten Schuljahr, dann bekommst Du jetzt eine 5 und in der 11. Klasse auch und dann hast Du keinen Lateinabschluss". Dafür musste ich sogar das Bundesland wechseln, weil das in HH ging, in SH aber nicht ... grausam ...
    Dafür weiß ich noch Geburtstage und Telefonnummern meiner Grundschulfreunde ...
    So hat jeder seine Talente :)
    Habe weiter Spaß an den Sprachen!
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Liebe Ines, vielen Dank auch für deinen Einblick in deine Spracherfahrungen. Ein interessantes Thema wie ich finde. LG Sabine

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